Paris: Ponti strebt bei Schwimm-EM nach Revanche

Ponti kehrt nach Paris zurück
Noè Ponti bereitet sich auf die Schwimm-Europameisterschaften in Paris vor, wo er die Gelegenheit zur Revanche sucht. Vor zwei Jahren verpasste er in der französischen Hauptstadt, damals in der La Défense Arena, eine WM-Bronze über 100 m Schmetterling um 0,1 Sekunden. Die diesjährigen Wettkämpfe finden im Schwimmzentrum Saint-Denis statt.
Der Tessiner Schwimmer wird sich erneut mit dem französischen Superstar Maxime Grousset messen müssen. Grousset hatte sich bereits bei der WM im Vorjahr in Singapur sowohl über 50 m als auch über 100 m Schmetterling knapp vor Ponti durchgesetzt. Das Favoritentrio wird durch den ungarischen Olympiasieger Kristof Milak ergänzt.
Ponti betont, dass er sich auf seine eigene Leistung konzentrieren müsse, da er die Gegner nicht kontrollieren könne. Mit der zweitbesten europäischen Jahresbestzeit über 100 m Schmetterling, wo er 2022 in Rom EM-Silber gewann, bringt er starke Argumente mit in den Wettkampf.
Neben seinen Paradestrecken im Schmetterling wird der 25-Jährige auch in der 4×100-Meter-Lagenstaffel am Abschlusstag der Wettkämpfe antreten. Die Europameisterschaften in Paris sind das Highlight der Schwimmsaison 2026 und finden im langen 50-Meter-Becken, dem Olympiabecken, statt.
Medaillenambitionen und mentale Stärke
Ponti verfügt bereits über ein beachtliches Palmarès. Dazu gehören eine Olympiamedaille (Bronze 2020 über 100 m Schmetterling), zweimal WM-Silber auf der Langbahn im Jahr 2025, EM-Silber auf der Langbahn im Jahr 2022, sowie sechs EM-Titel und drei WM-Titel auf der Kurzbahn.
Trotz dieser Erfolge wartet er noch auf seinen ersten grossen Langbahn-Titel. Er vergleicht seine Situation mit der von Roger Federer, der die French Open nur einmal gewann. Ponti erwähnt auch Novak Djokovic, der sich als die Nummer drei hinter Federer und Rafael Nadal sah und die Rufe des Publikums für seine Konkurrenten als Ansporn nutzte.
Dieses Konzept will Ponti auch im Duell mit Grousset anwenden. Er erwartet eine grossartige Stimmung für Maxime, die ihn ebenfalls antreiben soll. Wenn er «Maxime, Maxime» höre, werde er denken, dass das Publikum seinen eigenen Namen rufe.
Der 25-jährige Ponti führt die 19-köpfige Schweizer Delegation an, die sowohl Medaillenanwärter wie ihn und den Rückenspezialisten Roman Mityukov als auch Nachwuchstalente umfasst, die erstmals auf Elite-Stufe antreten.
Ponti wird über 50 Meter Delfin, 100 Meter Delfin und in der 4-mal-100-Meter-Lagenstaffel starten. Die 200 Meter Delfin lässt er aus, obwohl sein Trainer Massimo Meloni sich diese Distanz wünschen würde. Ponti empfindet die 200 Meter Delfin als mental zu anstrengend, obwohl er körperlich die Voraussetzungen dafür mitbringt.
An den Olympischen Spielen 2024 in Paris verpasste Ponti das Podest über 100 Meter und 200 Meter Delfin und belegte die Ränge 4 und 5. Er führte dies auf private Probleme zurück und darauf, dass er mental nicht zu 110 Prozent bereit war, was in einem Olympiafinal nötig sei. Seit Paris 2024 arbeitet er daran, seine Chance auf olympische Medaillen bei den Spielen 2028 in Los Angeles zu nutzen.
Wettkampfplan in Paris
Am Montag, dem 10. August, beginnt Noè Ponti die Woche mit den Vorläufen über 50 m Schmetterling ab 9:30 Uhr, gefolgt von den Halbfinals in der Abendsession ab 18:30 Uhr. Er hält die drittschnellste Zeit aller Europäer in diesem Jahr über diese Distanz. Die Männer-Staffel über 4×200 m Crawl strebt ebenfalls den Finaleinzug an.
Am Dienstag, dem 11. August, wird Ponti voraussichtlich im Final über 50 m Schmetterling um Medaillen kämpfen, wobei Maxime Grousset sein Hauptkonkurrent sein dürfte. Roman Mityukov tritt an diesem Tag in seiner Paradedisziplin 200 m Rücken in den Vorläufen und im Halbfinal an. Die 18-jährige Kay-Lyn Löhr gibt ihr internationales Debüt über 100 m Brust; für sie wäre die Halbfinalqualifikation bereits ein Erfolg.
Mittwoch, der 12. August, ist für Mityukov eine Gelegenheit, nach seinem siebten Platz über 200 m Rücken bei der letztjährigen WM in Singapur Wiedergutmachung zu leisten. Er ist in diesem Jahr der zweitschnellste Europäer und könnte seine sechste Medaille bei einer grossen Langbahn-Meisterschaft gewinnen.
Sollte Ponti die Vorläufe und Halbfinals am Vortag überstehen, peilt er am Donnerstag, dem 13. August, einen Podestplatz über 100 m Schmetterling an. Dabei wird er voraussichtlich auf Kristof Milak treffen, den Olympiasieger in dieser Disziplin und den Weltbesten der Saison.
Am Freitag, dem 14. August, hofft Antonio Djakovic, der seit den Olympischen Spielen 2024 in Paris immer wieder von Verletzungen geplagt ist, wieder an die Spitze zurückzukehren. Der 23-jährige Thurgauer, vierfacher Medaillengewinner an Europameisterschaften, versucht zunächst, den Final über 200 m Crawl zu erreichen.
Samstag, der 15. August, verspricht ein spannendes Rennen über 200 m Schmetterling, auch ohne Ponti, der auf diese kräftezehrende Distanz verzichtet. Die Teilnahme des französischen Superstars Léon Marchand wird erwartet. Am Sonntag, dem 16. August, hat die 4×100-m-Lagenstaffel der Männer das Potenzial, den Final zu erreichen, obwohl das Fehlen eines erstklassigen Brustschwimmers die Aufgabe erschwert. Die Staffel wird voraussichtlich auf Ponti und Mityukov angewiesen sein.
Die EM in Paris dient als Zwischenbilanz, um zu sehen, ob sich die Trainingsanpassungen gelohnt haben. Ponti hat im vergangenen Jahr neue Reize gesetzt, darunter Höhentraining in Flagstaff und eine Erhöhung des Trainingsumfangs. Sein Trainer Meloni ist überzeugt, dass Ponti über 200 Meter Delfin auf Weltniveau am besten abschneiden würde, auch wenn Ponti diese Distanz mental als schwierig empfindet.
An den Spielen 2028 in Los Angeles werden die 50 Meter Delfin erstmals olympisch sein. Pontis Stil ist nicht primär auf Kraft ausgelegt, sondern auf perfekte Technik, hohe Beweglichkeit und eine optimale Unterwasserphase. Er absolviert zu Beginn des Jahres zwei oder drei von zehn Trainingseinheiten pro Woche im Delfinstil und steigert dies vor Wettkämpfen auf fünf oder sechs von zehn, wodurch sein Trainingsvolumen sinkt, da er schneller schwimmt.
Bei der EM-Hauptprobe, dem internationalen Meeting Trofeo Settecolli im Juni in Rom, schwamm Ponti auch über die 200 Meter und wurde Dritter. Die 200 Meter Delfin finden an den EM in Paris als letzte der Einzeldisziplinen statt, und Ponti meidet das Risiko, die ganze Woche daran denken zu müssen.
Source: srf.ch