Bern: Reusser erlebt bitteres Tour-Ende und fällt aus den Top Ten

Vom Podest gestürzt – Reusser erlebt bitteres Tour-Ende - Blick

Enttäuschung auf der Schlussetappe

Marlen Reusser erlebte auf der letzten Etappe der Tour de France Femmes einen Rückschlag, der sie einen Podestplatz kostete. Die Bernerin, die vor der Etappe auf dem dritten Rang der Gesamtwertung lag, konnte diesen nicht verteidigen und fiel schliesslich aus den Top Ten.

Bereits 67 Kilometer vor dem Ziel auf der Schlussetappe verlor Reusser den Anschluss an die Spitzengruppe. Rund 10 Kilometer später stürzte sie nach einer Abfahrt in einer Kurve, was ihre Hoffnungen auf einen Podiumsplatz weiter zunichtemachte.

Der Sturz ereignete sich abseits der TV-Kameras während der Abfahrt nach der zweiten Überquerung des Col d’Èze. Reusser, begleitet von ihren Movistar-Teamkolleginnen, schwang sich zwar wieder aufs Rad und beendete die 99,2 Kilometer lange Etappe, die in Nizza startete und endete, als 109. mit einem Rückstand von 24:35 Minuten.

Im Gesamtklassement reichte es für Reusser am Ende nur für den 14. Platz. Dies war ein bitterer Moment für die 34-Jährige, die davon geträumt hatte, als erste Schweizerin einen Podiumsplatz bei der Frankreichrundfahrt zu erreichen.

Vollering triumphiert erneut

Während Reusser einen schwierigen Tag erlebte, triumphierte Demi Vollering. Die Niederländerin sicherte sich zum zweiten Mal nach 2023 den Gesamtsieg der Tour de France Femmes. Sie verteidigte ihr Gelbes Trikot auf beeindruckende Weise und gewann auch die Schlussetappe als Solistin.

Vollering hatte bereits am Samstag die Führung von Katarzyna «Kasia» Niewiadoma-Phinney übernommen, mit einem Vorsprung von acht Sekunden. Sie war bereits am Mittwoch und Samstag siegreich gewesen und krönte ihre Leistung mit dem Sieg auf der Schlussetappe.

Auf dem Podium standen neben Vollering auch Niewiadoma-Phinney und die Italienerin Elisa Longo Borghini, die auf Kosten von Reusser noch einen Podestplatz erreichte. Die 25-jährige Zürcherin Noemi Rüegg beendete die Etappe als 31. und lag im Gesamtklassement drei Positionen hinter Reusser.

Kontroverse um Fairplay

Abseits des Renngeschehens gab es eine Kontroverse zwischen Demi Vollering und Kasia Niewiadoma-Phinney. Niewiadoma hatte Vollerings Teamkollegin Célia Gery vorgeworfen, sie auf der 8. Etappe am letzten Anstieg absichtlich in Richtung Absperrung gedrängt zu haben. Niewiadoma sprach von einem «kindischen» Verhalten und äusserte, ihren Respekt vor dem FDJ-United-Suez-Team verloren zu haben.

Vollering zeigte sich enttäuscht über die Aussagen Niewiadomas und verteidigte ihre Teamkollegin vehement. Sie betonte, dass es nicht fair sei, solche Vorwürfe direkt nach dem Ziel aus der Emotion heraus zu äussern. Vollering erinnerte zudem an einen Vorfall bei der Tour de France Femmes 2024, als sie selbst nach einem Sturz auf der Strasse lag und Niewiadoma in der Spitzengruppe weiterfuhr.

Damals hatte Niewiadoma vom Pech ihrer Rivalin profitiert und das Gelbe Trikot bis nach Nizza verteidigt, mit einem Vorsprung von nur vier Sekunden auf Vollering im Gesamtklassement. Vollering stellte die Frage, ob Niewiadoma diejenige sei, die über Fairplay sprechen sollte, betonte aber gleichzeitig, dass sie Niewiadoma den aktuellen Ausbruch nicht grundsätzlich übelnehme, da alle nur Menschen seien.

Vollering nahm Célia Gery in Schutz und bedauerte, dass der Streit zwischen den Teams so hochkochte. Die TV-Bilder konnten nicht eindeutig klären, ob Gery Niewiadoma absichtlich abgedrängt hatte. FDJ-Sportdirektor Lars Boom verteidigte seine Fahrerin ebenfalls und erklärte, dass Célia so etwas nie tun würde und es nicht das Ziel des Teams sei, jemanden von der Strasse zu drängen. Vollering ging mit einem Vorsprung von acht Sekunden auf Niewiadoma in das Finale der Rundfahrt um Nizza.

Source: blick.ch

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.