Zandvoort: Hamilton kritisiert Ferrari-Strategie nach verpasstem Podium

Lewis Hamilton sauer: Bei Mercedes klappt das, bei uns nicht! - Motorsport-Total.com

Hamiltons Frustration über Teamstrategie

Nach dem Formel-1-Rennen in Zandvoort äusserte sich Lewis Hamilton kritisch über die Strategie seines Teams. Er fühlte sich im Stich gelassen, da eine Teamorder zugunsten von ihm gegen seinen Teamkollegen Charles Leclerc nicht umgesetzt wurde. Hamilton betonte, dass solche Anweisungen bei Mercedes reibungslos funktionieren, bei Ferrari jedoch nicht.

Während des Rennens, als Hamilton im zweiten Stint auf harten Reifen unterwegs war und auf dem fünften Platz lag, schloss er auf den langsameren Leclerc auf, der Medium-Reifen fuhr. Hamilton erwartete, vorbeigelassen zu werden, was jedoch nicht geschah. Er funkte sarkastisch: „Tolle Art, Zeit zu verschwenden, Jungs. Gute Arbeit.“ Leclerc weigerte sich zunächst, den von Ferrari geplanten Boxenstopp einzulegen, was Hamilton weiter frustrierte, da er hinter ihm wertvolle Zeit verlor.

Hamilton verglich die Situation mit Mercedes, wo George Russell wenige Runden vor Schluss angewiesen wurde, seinen Teamkollegen Kimi Antonelli vorbeizulassen, obwohl beide um die Weltmeisterschaft kämpfen. Hamilton, der punktgleich mit Russell auf dem zweiten WM-Rang liegt, ärgerte sich, dass er in einer ähnlichen Situation nicht die gleiche Unterstützung erhielt. Er betonte, dass jeder Punkt zählt, um eine Meisterschaft zu gewinnen, und die verlorenen Sekunden hinter Leclerc am Ende den Unterschied ausgemacht hätten.

Leclercs Sicht und Teamchef Vasseurs Erklärung

Charles Leclerc konzentrierte sich derweil auf sein eigenes Rennen und sah sich in einem Duell mit George Russell. Er war nicht glücklich über die Anweisung zum Boxenstopp, da er das Gefühl hatte, dass seine Reifen noch Potenzial hatten und er länger auf der Strecke hätte bleiben können, um einen Reifenvorteil aufzubauen. Leclerc gab an, keinerlei Nachrichten von Ferrari bezüglich seines Teamkollegen erhalten zu haben und hätte kein Problem damit gehabt, Hamilton vorbeizulassen, wenn er die Anweisung dazu bekommen hätte.

Teamchef Frederic Vasseur erklärte die Situation damit, dass man Leclerc zu diesem Zeitpunkt keine Anweisung geben konnte, Hamilton vorbeizulassen. Als Hamilton auf Leclerc aufschloss, erwartete das Team, dass Leclerc an die Box kommt. Da er jedoch im Verkehr wieder auf die Strecke gekommen wäre, bat man Leclerc kurzfristig, eine weitere Runde draussenzubleiben. Vasseur betonte, dass es schwierig sei, einen Fahrer um eine weitere Runde zu bitten und gleichzeitig die Positionen tauschen zu lassen.

Das Hauptproblem lag laut Vasseur darin, dass Hamilton nicht über den Plan informiert wurde, mit ihm bis zum Schluss durchzufahren. Das Team wollte die Strategie nicht über Funk preisgeben, um sie nicht den Konkurrenten offenzulegen. Vasseur zeigte sich jedoch unbesorgt über erneute Spannungen im Team und erklärte, dass beim Debriefing alle wieder zusammenkommen und ein klares Bild vom Rennen erhalten würden. Er merkte an, dass die Unterschiede zwischen den Reifenmischungen gering waren und es schwierig war, eine klare Strategie zu finden.

Qualifying-Probleme und Hoffnungen für Monza

Bereits im Qualifying zum Grossen Preis der Niederlande hatte Ferrari nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt. Lewis Hamilton startete von Platz fünf und Charles Leclerc von Platz sechs. Hamilton fehlten 0,331 Sekunden auf die Poleposition, Leclerc lag 0,395 Sekunden zurück. Das Team hatte sich mehr erhofft, da die Rennpace im Sprint am Vormittag deutlich stärker aussah.

Hamilton sah das grösste Problem bei den Reifen, da Ferrari Schwierigkeiten hatte, diese schnell auf Temperatur zu bringen, was besonders im ersten Sektor zu mangelndem Vertrauen führte. Teamchef Vasseur sah die Situation ähnlich, warnte jedoch davor, eine grundsätzliche Schwäche abzuleiten, da die Abstände extrem eng waren. Leclerc glaubte nicht, dass eine Poleposition realistisch gewesen wäre und sah ein Muster, dass Ferrari im Rennen oft stärker ist als im Qualifying.

Trotz der enttäuschenden Startplätze ging Ferrari mit Zuversicht ins Rennen, da die Pace über längere Distanzen als gut eingeschätzt wurde. Für das kommende Heimrennen in Monza betonte Teamchef Vasseur, dass das Team perfekte Arbeit leisten müsse, um ein positives Ergebnis zu erzielen, da in Zandvoort die Umsetzung nicht perfekt war.

Die neue Unterboden-Entwicklung, die Ferrari an diesem Wochenende einsetzte, funktionierte laut Vasseur nach Plan, obwohl keine grossen Sprünge in der Performance erwartet wurden.

Source: motorsport-total.com

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.