Salzburg: Hermann Maiers Kampf ums Bein nach Motorradunfall

Am 24. August 2001 ereignete sich in Obertauern, Salzburg, ein schwerer Unfall, der das Leben der österreichischen Ski-Legende Hermann Maier grundlegend veränderte. Bei der Heimfahrt nach einem Sommertraining verlor Maier die Kontrolle über sein Motorrad, nachdem ein deutscher Tourist ihn mit seinem Auto auf der Strasse übersehen hatte. Maier wich aus und landete im Strassengraben, was zu einem offenen Unterschenkelbruch am rechten Bein sowie schweren Prellungen und Quetschungen führte.
Die Stunden nach dem Unfall waren entscheidend für Maiers Überleben und die Rettung seines Beins. Sein damaliger Leibarzt Artur Trost erinnerte sich 25 Jahre später an die dramatischen Szenen. Maier spürte seine Beine nicht mehr, und in der Klinik wurden schwerste innere Blutungen festgestellt. Die Situation war so kritisch, dass die Anweisung lautete: «Nicht anrühren, sonst verblutet er.»
Der Kampf um Maiers Karriere und Gesundheit
Die massiven Blutungen hatten einen wichtigen Nerv in Maiers Bein nach vorne verschoben. Die Ärzte standen vor einer schwierigen Entscheidung, da eine Durchtrennung des Leistenbandes, die Artur Trost in Betracht zog, das vorzeitige Ende von Maiers Skikarriere hätte bedeuten können. Letztendlich entschieden sich die Ärzte gegen eine sofortige Operation und setzten auf eine medikamentöse Behandlung, um die Blutungen zu kontrollieren.
Für Hermann Maier begann damit eine der schwierigsten Phasen seines Lebens. Am Tag nach dem Unfall fragte Artur Trost seinen Patienten, ob er sein Bein besser spüren könne. Maier antwortete mit «ja», obwohl dies nicht der Wahrheit entsprach. Wie der Arzt später erfuhr, hatte der Ski-Star gelogen, um seine Karriere nicht aufgeben zu müssen und alles für seine Genesung zu tun.
Dieser aussergewöhnliche Wille und Kampfgeist zahlte sich aus. Die Ärzte konnten Maiers Bein retten und ermöglichten damit eines der grössten Comebacks in der Sportgeschichte. Der damalige Olympiastützpunkt-Chef Heini Bergmüller erinnerte sich 25 Jahre später an die dramatischen Stunden und die Comeback-Pläne, die bereits auf der Intensivstation geschmiedet wurden. Er organisierte einen Handkurbel-Ergometer aus Deutschland, mit dem Maier sofort nach der Verlegung aus der Intensiv- in die Normalstation täglich trainierte. Bergmüller betonte, dass dies für Maiers mentale Stärke unglaublich wichtig war, auch wenn die Sinnhaftigkeit damals hinterfragt wurde.
Heini Bergmüller glaubte stets an Maiers Comeback, da er dessen mentale Stärke kannte. Er hob hervor, dass nur wenige realisierten, wie schwer Maier tatsächlich verletzt war. Das rechte Bein hing nur noch an wenigen Fäden, und Einblutungen im Becken hatten die Nerven im Fuss so schwer geschädigt, dass die Bewegungsfreiheit bis heute nicht vollständig wiederhergestellt ist. Die Operation war ein wichtiger Schritt, aber die Zeit danach war ebenso entscheidend, und Bergmüller bezeichnete die Sport-Reha als die «Reha des Jahrhunderts».
Das unglaubliche Comeback und die Erfolge danach
Nur 521 Tage nach seinem schweren Unfall kehrte Hermann Maier an die Spitze des Skisports zurück. Am 27. Januar 2003 gewann er den Super-G in Kitzbühel. Maier selbst bezeichnete diesen Triumph als seinen «grössten Sieg» und sah den Unfall als ein Zeichen von oben, das ihm seine Grenzen aufzeigte.

Sein Comeback war jedoch noch nicht abgeschlossen. Zwei Jahre später, im Jahr 2005, holte der «Herminator» bei der Weltmeisterschaft in Bormio erneut Gold im Riesenslalom. Trotz des schweren Schicksalsschlags entwickelte sich Maiers Karriere zu einer der erfolgreichsten im alpinen Skisport. Insgesamt entschied er 54 Weltcup-Rennen für sich und gewann viermal den Gesamtweltcup.
Heini Bergmüller äusserte sich 25 Jahre später immer noch beeindruckt von Maiers Leistungen nach den schweren Verletzungen. Er betonte, dass Maiers Geschichte auch heute noch viele Menschen inspiriere, die nach schweren Verletzungen um ihr Comeback kämpfen. Bergmüller und Maier haben sich zuletzt vor etwa zwei Jahren intensiv über Maiers Reha und die damalige Zeit unterhalten, als Bergmüller an seiner Autobiografie arbeitete.
Der Unfall am 24. August 2001 und Maiers anschliessender Weg zurück an die Weltspitze bleiben ein beeindruckendes Beispiel für Kampfgeist und Entschlossenheit im Sport.
Source: 20min.ch