Lobalus Silbermedaille in Birmingham

Vom Flüchtling zur EM-Medaille: Lobalu holt Silber – und komplettiert seinen Medaillensatz - Tages-Anzeiger

Lobalus Silbermedaille in Birmingham

Dominic Lobalu hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham eine Silbermedaille über 10’000 Meter gewonnen. Diese Leistung komplettiert seinen Medaillensatz bei Europameisterschaften. Der Läufer zeigte sich über die Distanz von 10’000 Metern konzentriert, obwohl der Schwede Andreas Almgren das Rennen von Beginn an dominierte.

Almgren setzte sich früh mit einem starken Antritt ab und überrundete fast das gesamte Feld. Lobalu lief über weite Strecken allein und kämpfte sich durch das Rennen, bis er schliesslich die Silbermedaille errang. Er beendete das Rennen hinter Almgren. Der Franzose Jimmy Gressier lag 44 Sekunden zurück.

Lobalu äusserte sich nach dem Rennen zufrieden mit seiner Silbermedaille und betonte, dass er noch viele weitere Rennen vor sich habe. Die Medaille war zudem ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, da er am Sonntag 28 Jahre alt wird. Mit dieser Medaille reiht sich Lobalu unter die erfolgreichsten Schweizer Leichtathleten bei Europameisterschaften ein, gleichauf mit Simon Ehammer. Nur Mujinga Kambundji hat mit vier Medaillen eine mehr.

Die Schweizer Frauenstaffel feiert ebenfalls Silber

Neben Lobalus Erfolg sicherte sich auch die 4-mal-100-Meter-Staffel der Frauen eine Silbermedaille. Für das Staffelteam ist dies die erste Medaille nach mehr als zehn Jahren Wartezeit. Die Schweiz hat nun insgesamt sieben Medaillen bei diesen Europameisterschaften gewonnen.

Die Staffel, die in der Vergangenheit oft knapp eine Medaille verpasste, nutzte die Bühne in Birmingham, um einen Podestplatz zu erreichen. Im letzten Rennen des Samstags, vor 23’000 Zuschauern, holte das Team die Silbermedaille. Der letzte Wechsel war dabei besonders dramatisch, als Salomé Kora scharf abbremsen musste, um in der Wechselzone zu bleiben, bevor sie beschleunigte und den zweiten Platz sicherte.

Die 32-jährige Kora, die älteste Athletin der vier Finalistinnen, erreichte in Birmingham auch als Einzelläuferin erstmals einen Final. Sie zeigte sich nach dem Gewinn der Medaille überglücklich und betonte den guten Zusammenhalt im Team. Die Startaufstellung für den Final zeigte den Teamgeist: Ajla Del Ponte, 30 Jahre alt, überliess ihren Startplatz der 22-jährigen Fabienne Hoenke, die zuvor als Vierte über 200 Meter überzeugt hatte. Del Ponte wollte Hoenke die Erfahrung ermöglichen, in einem solchen Rennen zu starten.

Das Team wurde durch Géraldine Di Tizio-Frey, die Vierte über 100 Meter, und Léonie Pointet, 200-Meter-Halbfinalistin, komplettiert. Diese Aufstellung verdeutlicht die Entwicklung des Schweizer Sprints in den letzten Jahren. Kora bezeichnete die Medaille als «eher einen Start in ein neues Zeitalter» für die Schweizer Frauenstaffel.

Lobalus Weg und frühere Erfolge

Diese Erfolge waren besonders emotional, da er erst kurz vor den Titelkämpfen die Erlaubnis erhalten hatte, die Schweiz zu vertreten. Der Leichtathletik-Weltverband hatte dem ehemaligen Flüchtling aus dem Südsudan zwar den Nationenwechsel bewilligt, aber zunächst eine dreijährige Wartefrist für internationale Meisterschaften verhängt. Ein Wiedererwägungesuch von Swiss Athletics war vor den Europameisterschaften erfolgreich.

Sieben Jahre, nachdem er sich nach einem Rennen in Genf von einem Flüchtlingsteam abgesetzt hatte, fühlt sich Lobalu in der Schweiz, in Abtwil, wohl. Er ist der erste seiner Familie, der alleine wohnt. Lobalu geniesst es, für die Schweiz anzutreten.

Im Vorfeld der aktuellen Europameisterschaften in Birmingham hatte Lobalu über 5000 Meter den 7. Rang belegt. In diesem taktischen Rennen war er oft an der Spitze zu finden, doch die Konkurrenz zog im Endspurt davon. Der Norweger Jakob Ingebrigtsen siegte in diesem Rennen. Lobalu hatte zuvor mit muskulären Verspannungen im unteren Rückenbereich zu kämpfen, die nach seinem Sieg beim Diamond-League-Meeting in Monaco am 10. Juli auftraten. Dies führte dazu, dass er ein 3000-Meter-Rennen in Luzern vorzeitig beendete und vorsorglich auf einen Start bei den Schweizer Meisterschaften in Zürich verzichtete, um mit dem medizinischen Team an seinen Beschwerden zu arbeiten.

Lobalu sagte, er habe das 5000-Meter-Rennen bereits vergessen. Seine Erfahrungen in der Vergangenheit hätten ihn gelehrt, nicht zu lange an Vergangenem festzuhalten. Das nächste Rennen kommt bestimmt.

Source: tagesanzeiger.ch

Sportredakteur mit Schwerpunkt Fussball, Super League und internationale Wettbewerbe.