Owen Ansah gewinnt EM-Gold über 200 Meter und widmet Medaille seinem Sohn

Der deutsche Sprinter Owen Ansah hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham die Goldmedaille über 200 Meter gewonnen. Dies ist seine zweite Medaille bei den aktuellen Wettkämpfen, nachdem er zuvor bereits Bronze über 100 Meter errungen hatte. Ansah überquerte die Ziellinie in 19,95 Sekunden und wurde damit der erste deutsche Europameister über 200 Meter seit 44 Jahren. Die Zeit von 19,95 Sekunden wäre ein deutscher Rekord, wird jedoch aufgrund eines zu starken Rückenwindes nicht offiziell anerkannt.
Nach dem Rennen widmete Ansah seine Goldmedaille seinem Sohn und seinem Trainer. Er betonte, dass sein dreijähriger Sohn ihn motiviert habe, indem er ihm den Tipp gab, den „Turbo zu zünden“. Ansah erzählte, dass sein Sohn sich freut, wenn er schnell ist und immer mit ihm rennen möchte. Er fügte hinzu, dass nur sein kleiner Sohn schneller sein dürfe als er, zumindest vorerst. Ein Porträt seines Sohnes hat Ansah auf seinem rechten Oberarm tätowieren lassen.
Zusammenarbeit mit Trainer Sebastian Bayer
Für sein Training ist Ansah von seiner Heimat Hamburg nach Mannheim gezogen. Dort arbeitet er seit 2021 mit Sebastian Bayer zusammen, der 2012 Europameister im Weitsprung wurde. Ansah hob die wichtige Rolle seines Trainers hervor und erklärte, dass Bayer ihn und andere Sprinter seiner Trainingsgruppe motiviert habe, als er selbst noch nicht von seinen Fähigkeiten überzeugt war. Fünf Jahre nach Beginn ihrer Zusammenarbeit hat Ansah nun eine Gold- und eine Bronzemedaille gewonnen.
Ansah sprach auch über seine Ambition, Deutschland im Sprint wieder international zu etablieren. Er möchte zeigen, dass deutsche Sprinter konkurrenzfähig sind und Medaillen bei Weltmeisterschaften anstreben. Sein Ziel ist es, die 200 Meter auch unter regulären Bedingungen in weniger als 20 Sekunden zu laufen und sich kontinuierlich zu verbessern, um es mit internationalen Top-Athleten aufnehmen zu können.
Dopingvorwürfe und laufendes Verfahren
Trotz seines Erfolges schwebt über Ansah die Gefahr einer mehrjährigen Sperre. Ihm wird vorgeworfen, am 9. Juli eine Dopingkontrolle verweigert zu haben. Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) fordert eine vierjährige Sperre, was zur Aberkennung seiner Medaillen führen könnte. Ansah bestreitet die Vorwürfe und will gerichtlich dagegen vorgehen. Er hat sich dazu entschieden, während des laufenden Verfahrens keine weiteren öffentlichen Äusserungen zu machen und bittet um Respekt für diese Entscheidung.
Die NADA sieht es als erwiesen an, dass Ansah eine Dopingkontrolle verweigert haben soll. Die geforderte Sperre würde sich auf drei Jahre verkürzen, sollte Ansah der Entscheidung zustimmen. Sein Anwalt Rainer Cherkeh hat jedoch mitgeteilt, dass Ansah den Sanktionsvorschlag der NADA nicht akzeptieren wird. Der Fall wird voraussichtlich vor dem Deutschen Sportschiedsgericht und möglicherweise vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) verhandelt, was das Verfahren über Jahre ziehen könnte. Eine mögliche Sperre würde erst ab dem Tag des Urteils gelten, da er derzeit nicht suspendiert ist.
Ansah betonte, dass er sich auf die Dinge konzentriert, die er beeinflussen kann, und dass er im Kopf frei sei, um solche Leistungen zu erbringen. Er erhält Zuspruch von anderen Athleten, die nicht glauben, dass er sich bewusst einer Kontrolle entziehen wollte. Hammerwerfer Merlin Hummel äusserte sich beeindruckt von Ansahs Leistung unter dem Druck der Situation. Auch Athletensprecherin Gina Lückenkemper unterstützte Ansahs Ansatz, sich auf sich selbst zu konzentrieren und externe Faktoren auszublenden.
Internationale Journalisten haben ebenfalls von Ansahs Fall erfahren. Timothé Mumenthaler aus der Schweiz, der Bronze über 200 Meter gewann, wollte sich nach dem Rennen nicht zu Ansahs Situation äussern. Auch der zweitplatzierte Zharnel Hughes aus Grossbritannien gab an, nichts von dem Fall zu wissen. Ansah selbst möchte im Moment seines Erfolges nicht über „negative Sachen“ sprechen, sondern konzentriert sich auf seine sportlichen Ziele.
Ansah lief 2024 als erster Deutscher die 100 Meter unter zehn Sekunden und verbesserte seine Bestzeit im Juni auf 9,98 Sekunden. Die NADA leitete Mitte Juli ein Verfahren gegen den Athleten des Hamburger SV ein.
In den kommenden drei Jahren sind eine Europa- und zwei Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Spiele in Los Angeles geplant.
Source: bild.de