Zagreb: Schweizer Kunstturner holen EM-Bronze im Teamfinal

Schweizer Team sichert sich Bronze
Die Schweizer Kunstturner haben bei den Kunstturn-EM in Zagreb im Teamfinal die Bronzemedaille gewonnen. Das Quintett, bestehend aus Noe Seifert, Florian Langenegger, Matteo Giubellini, Dominic Tamsel und Mattia Piffaretti, zeigte in allen Durchgängen wenige Fehler und verbesserte sich kontinuierlich von Gerät zu Gerät.
Nach den Bodenübungen, dem Pauschenpferd und den Ringen lag das Team zur Hälfte des Wettkampfs noch auf Rang vier. Nach dem Sprung gelang es dem Quintett jedoch, sich mit einem guten Polster auf den dritten Rang vorzuarbeiten. Auch am Barren und am Reck zeigten die Schweizer Turner starke Leistungen.
Als letzter Turner am Reck bewies Noe Seifert Nervenstärke und stand den Dreifachsalto beim Abgang fehlerfrei. Diese Leistung sicherte der Schweiz im Duell mit Italien die Bronzemedaille. Grossbritannien gewann die Goldmedaille, während Russland, das unter neutraler Flagge antrat, Silber holte.
Für die Schweiz ist dies die dritte Team-Medaille im Kunstturnen. Zuvor gab es bereits eine Heim-Bronze im Jahr 2016 in Bern und Silber im vergangenen Jahr in Leipzig.
Taktik und Teamgeist entscheidend
David Huser, Chef Spitzensport und Abteilungsleiter Olympische Mission beim Turnverband, hob die Bedeutung der Medaille hervor. Er betonte die Emotionen, die bei Seiferts Abgang vom Reck freigesetzt wurden, sowohl bei ihm als auch beim gesamten Team. Roman Schweizer, ein Experte, schloss sich dieser Einschätzung an und lobte die Fähigkeit des Teams, die letzte Chance zu nutzen und ruhig zu bleiben, selbst als Piffaretti einen Absturz am Barren hatte. Dies zeige den hervorragenden Teamgeist.
Schweizer zeigte sich begeistert von der Herangehensweise des Teams. Er fand es spannend, dass man nicht das letzte Risiko einging, sondern gut taktiert hat. Bestimmte Elemente wurden weggelassen und ein tieferer D-Wert in Kauf genommen. Dies deutet auf einen klaren Plan hin, der vom gesamten Staff bis zum Athleten am Gerät reichte.
Blick in die Zukunft für Frauen und Männer
Im Olympia-Zyklus ist die Situation bei den Frauen komplexer, doch Huser zeigte sich unbesorgt. Das Ziel, den Abstand zur Spitze zu verringern, sei erreicht worden. Er betonte, dass man nicht unrealistisch sein dürfe, bereits im nächsten Jahr bei der WM in China um den Teamfinal zu kämpfen. Das Hauptziel sei die Olympia-Qualifikation für 2028 und 2032, wobei 2028 als sehr anspruchsvoll eingeschätzt wird. Huser ist jedoch überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist und konsequent weiterverfolgt werden muss.
Schweizer hob hervor, dass bei den Frauen Lena Bickel mit Rang 10 im Mehrkampf und im Bodenfinal heraussticht. Für sie gehe es in Richtung eines Olympia-Tickets. Für das Team sei eine Qualifikation noch nicht ganz realistisch, aber man sei nur noch 1,5 Punkte von Europas Top 8 entfernt.
Bei den Männern ist die Entwicklung laut dem Experten erfreulicher. Es gebe 15 Profiturner in Magglingen, die nahezu auf demselben Niveau seien. Bei Ausfällen, wie den aktuellen von Luca Giubellini oder Ian Raubal, stünden valable Ersatzkandidaten wie Mattia Piffaretti und Dominic Tamsel bereit. Diese Breite sei auf die Kontinuität im Trainerteam zurückzuführen, das eingeschworen sei und einen klaren Plan habe. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass die Schweiz dank guter Nachwuchsarbeit eine Turnnation bleibt, mit Talenten wie Ben Schumacher, der bereits in den Startlöchern steht.
Source: srf.ch